ich sehe dich, ich schätze dich, du bist mir wichtig

Als ich vor vielen Jahren im Rahmen meiner Tätigkeit als Organisationsberaterin Peter Senges Einführung zu seinem Buch "Die fünfte Disziplin. Kunst und Praxis der lernenden Organisation", las, dachte ich nicht im Traum daran, wie sehr mich seine Ausführungen zum Zulu-Begriff ‘Sawubona’ einmal beeinflussen werden. Er schreibt dort eindrücklich über die Zulus und die großartige Art und Weise, wie sie miteinander interagieren. Er prophezeit auch, dass sie wahrscheinlich eine der mächtigsten Zivilisationen in Afrika werden würden und legt Führungspersonen nahe, sich in ihrem Verhalten an ihnen zu orientieren
KwaZuluNatal (KZN) ist eine der vier ursprünglichen Provinzen Südafrikas, und zu Natal gehört der Bantustamm der KwaZulu oder das Land der Zulus.
Die Zulu leben an der Ostküste von Südafrika und sind in der Geschichte vor allem durch ihre kriegerischen Auseinandersetzungen mit europäischen Einwanderern bekannt. Doch da ist auch eine ganz andere Seite, die dieses Volk geprägt hat und dafür steht eben besagter Ausdruck ‘Sawubona’.
Sawubona ist das Begrüssungswort der Zulu. Es ist nicht einfach nur ein Grüezi oder Hallo wie geht’s? auf das wir hier bei uns meistens nicht einmal näher eingehen und gleich zur Sache kommen. Die Zulu nähern sich ihrem Gegenüber in Ruhe und suchen den Augenkontakt. Es ist ihnen wichtig, den Menschen in seiner ganzen Persönlichkeit zu erfassen. Sawubona übersetzt man deshalb sinngemäss mit “Ich sehe dich, du bist mir wichtig und ich schätze dich“. Im Sinne dieser Begrüssung schenken sie ihrem Gegenüber ihre ganze Aufmerksamkeit, nehmen ihn (für) wahr und hören ihm zu.
TEDxMahikeng talk on Sawubona
Martin Buber (1878 - 1965) Religionsphilosoph; hat sich mit der Dialogphilosophie befasst. Vor allem seine Bücher 'Ich und Du' und 'Das dialogische Prinzip' sind bekannt
Peter M. Senge, Direktor des Center for Organizational Learning an der MIT Sloan School of Management und Leiter der Society for Organizational Learning, SoL.
Nun, wer möchte nicht so begrüsst und wahrgenommen werden? Die Antwort darauf heisst denn auch ‘Shiboka’, und bedeutet ‘dann existiere ich für dich’. Die Zulu glauben, dass Menschen nur existieren, wenn andere sie sehen und wahrnehmen. Die Gemeinschaft erschafft die individuelle Person, die allein nicht sein kann. Dies erinnert uns auch an den Philosophen Martin Buber, der da gesagt hat ‘der Mensch wird am Du zum Ich’ und damit ausdrückt, dass wir die andern brauchen, um uns selber definieren zu können.
Und so wie mich diese Haltung im beruflichen und privaten Leben herausfordert und inspiriert, so setze ich Sawubona als Leitgedanke über mein Reise-Begleitungs-Angebot. Es ist mir ein grosses Anliegen, meine Reisegefährt:Innen wahrzunehmen, auf sie einzugehen und zusammen mit ihnen ein unvergessliches Reise-Abenteuer zu gestalten und durchzuführen.
