Erfahrung einer anderen Dimension.
Erfahrung einer anderen Dimension in der Wildnis ist die ständige Suche nach Spuren und Zeichen. Der moderne Mensch ist sich gar nicht mehr bewusst, wie sehr sein Überleben davon abhängig war und immer noch ist. Louis Liebenberg, einer der heutigen Pioniere, der die afrikanischen San bei der Spurenlese begleitete, von ihnen lernte und das Geschehen dokumentierte, spricht sogar von der ersten Wissenschaft, die uns Menschen das Überleben sichert(e).
Es ist ihm und namentlich Lee Gutteridge aus Südafrika gelungen, die Kunst des Trackings in unsere Zeit zu transferieren. Da immer mehr Menschen den Wunsch verspüren, zu Fuss durch den Busch zu gehen, braucht es wieder vermehrt Guides, die das Spurenlesen auch beherrschen. Und immer mehr findet man darunter Einheimische, für die dies das Natürlichste der Welt ist. Sie haben es von ihren Vorfahren mitbekommen, beim Hüten ihrer Tiere, auf ihren Wanderungen, etc. Zwar reicht leider bei vielen ihr Schulwissen nicht aus, um eine Ausbildung zum Field- oder Trails Guide zu absolvieren. Doch dem trägt FGASA, Field Guide Association of South Africa, vermehrt Rechnung und hat dazu eine ‘Karrierelaufbahn’ für einheimische Tracker entwickelt. Es ist eines der Highlights, wenn man die Gelegenheit hat, mit einem Einheimischen Tracker mit zu laufen.
Beginnt man, sich mit dieser Tätigkeit auseinander zu setzen, spürt man bald, dass auch hier ein urmenschliches Bedürfnis gestillt werden will. Gerade im Busch, wo das Sehen und Gesehen werden eine überlebenswichtige Rolle spielt, kommt man schnell in den Bann der Spurensuche. Das Faszinierende daran ist die Verschmelzung von kognitivem Wissen mit allen uns zur Verfügung stehenden Sinnen wie Riechen, Hören, (Nicht-)Sehen, Tasten, Schmecken. Das Antizipieren der unterschiedlichsten Informationen und Botschaften wie Wetter, Jahreszeit, Geologie, Habitat und vieles mehr, ist eine stetige Herausforderung. Wie alt ist diese Spur? Wann hat es zum letzten Mal geregnet? Wie zeigt sich dies auf diesem Boden? Bin ich in der Nähe einer Wasserstelle? Welchen Zeichen bin ich bis hierher begegnet? Woher kommt der Wind? Wie ist der Sonnenstand? Gibt es abgerissene, geknickte Sträucher und Äste? Sind da frische oder alte Losungen? Es ist ein permanentes Scannen der Umgebung, und eine tiefe Befriedigung, wenn man das Puzzle (einigermassen) richtig kombiniert. Diese Art von Achtsamkeit, ganz im Hier und Jetzt sein, jede ‘Kleinigkeit’ wahr zu nehmen und darauf adäquat zu reagieren, erfüllt einem mit grosser Befriedigung.
Louis Liebenberg «the origin of Science”
Lee Gutteridge www.natureguidetraining.com
Die Spur eines einzelnen Bärenpavians (Papio hamadryas ursinus). Paviane leben üblicherweise in Horden und sind beim Herumziehen kaum zu überhören oder zu übersehen. Weshalb ist dieser alleine unterwegs? Wurde er verstossen? Könnte er deswegen agressiv sein? Gaben ihm die andern Männchen zu verstehen, dass er sich einen neuen Trupp suchen muss? Oder ist er einfach auf der Suche nach einem guten Beobachtungsposten, um seine Familienmitglieder zu bewachen?








