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Trailing

Februar 16, 2024

Trailing ist die Königsdisziplin eines jeden Wilderness Guides und somit die Kulmination seines Wissens und seiner Erfahrungen.

Tracking und Trailing wird oft miteinander vermischt. Die beiden Disziplinen finden zwar meistens zusammen statt, unterscheiden sich jedoch in der Absicht, entweder eine Spur zu identifizieren oder ihr zu folgen. Hier eine freie Übersetzung eines Textes von Dr. Kersey Lawrence, Cyber Trackerin der ersten Stunde, die die feinen Unterschiede aufzeigt.

Was ist die Spur- und Zeicheninterpretation Tracking im Vergleich zum Trailing? Tracking ist die Untersuchung tatsächlicher Spuren, ihrer Form und Gestalt, ihrer anschließenden Identifizierung auf Artenebene und des tieferen Verständnisses der damit verbundenen Verhaltensweisen anhand der am Boden sichtbaren Zeichen. Es ist auch die Interpretation von Zeichen anderer Art als Fußabdrücke, wie z.B. Kot, Grabzeichen, Fütterungszeichen, Zahnspuren, Klauenkratzer und vieles, vieles mehr. Spuren und Zeichen umfassen auch Hinweise, die von der Vogelwelt hinterlassen werden, wie z. B. der Fall von Federn, Neststrukturen, Schädeln oder sogar Eierschalenstücken, die auf dem Waldboden gefunden werden. Auch wirbellose Tiere sind hier einbezogen. Nester, Eierschalen, Netze, Kokons und irdene Strukturen können alle innerhalb dieser Gruppe von Lebewesen gefunden werden. Normalerweise würde man jedoch keinen Vogel oder ein Insekt verfolgen (obwohl wir es gelegentlich tun). Auch Reptilien und Amphibien hinterlassen interessante Spuren in der Natur und müssen ebenfalls einbezogen werden. Auch bestimmte klimatische Bedingungen hinterlassen Zeichen, wie z.B. die kreisförmigen Muster eines Staubteufels (Wirbelwind) auf Wüstensand. Menschen hinterlassen auch Zeichen, die von einem Tracker interpretiert werden können. Trailing hingegen wird am häufigsten mit großen Säugetieren in Verbindung gebracht, insbesondere in Afrika, wo Big 5 Walking Safaris einen großen Teil der Wirtschaft ausmachen. Trailing beinhaltet die Fähigkeit, eine neue Spur zu finden, das Tier je nach Art, Anzahl, Geschlecht und manchmal auch nach Individuum zu identifizieren und der Spur durch verschiedene Schwierigkeitsgrade von Substraten und unter Berücksichtigung von Faktoren wie Wind und Wetter, Jahreszeit oder Habitat zu folgen. Wir interpretieren relevante Verhaltensweisen entlang des Weges und setzen alle unsere Sinne ein, um sicher und unentdeckt zu bleiben. Das ultimative Ziel des Trailings ist es, das Tier zu finden und es zu beobachten. Im Idealfall tun wir dies, ohne dass es auf unsere Anwesenheit aufmerksam wird. Die Identifizierung und Interpretation von Spuren und Zeichen kann man auch mit dem A B C der Verfolgung vergleichen. Es bildet die Grundlage für das Erlernen der Bestandteile eines Ökosystems, der Identität und des Verhaltens von Tieren. Wir können nicht lesen lernen, ohne zuerst das A B C zu lernen! Beim Trailing fügen wir alle Hinweise zu Sätzen zusammen, die dann eine Geschichte erzählen, nämlich die Geschichte des Tieres, dem wir folgen. Wer ist es? Wohin geht die Reise? Wo war es? Was macht es? Aus welchem Grund? Mit wem oder was hat es interagiert? Was ist sonst noch in der Landschaft vorhanden? Wie bringt die Landschaft das Tier dazu, sich auf diese Art zu bewegen?


Dieses Löwenrudel hatte uns die halbe Nacht wachgehalten. Es war auf der Jagd und diese führte direkt durch unser Camp an unseren Zelten vorbei. Klar, dass wir am Morgen der Versuchung nicht widerstehen konnten, die Spuren aufzunehmen und dem Rudel zu folgen. Nach ca. 2 Kilometern fanden wir die Stelle, an der sie sich am Morgen zum Ausruhen hingelegt hatten. Wir durften nun damit rechnen, nicht mehr allzu weit von ihnen entfernt zu sein. Entsprechend lautlos und vorsichtig bewegten wir uns weiter, immer wieder anhaltend, den Wind prüfend, horchend und die Umgebung scannend. Nach der Durchquerung eines Tobels gelangten wir auf offenes Grasland, wo man anhand des Grasstandes erahnen konnte, dass sich Tiere hindurchbewegt hatten. Nach erneutem Check machten wir uns an die Durchquerung der offenen Fläche. Bei einem erneuten Halt erblickten wir eine mächtige Löwin, die unser Herankommen stoisch beäugte. Sofort gab der Head Instruktor das Zeichen für ‘freeze’ und wir standen bockstill. Die Löwin war nur etwa 40m von uns entfernt und zeigte erfreulicherweise keine Anzeichen von Unruhe. Wir wagten es nicht mehr zu atmen und nach und nach konnten wir hinter der Hecke das gesamte Rudel ausmachen, samt Junglöwen, die übermütig am Spielen waren. Ein paar wundervolle Minuten später traten wir vorsichtig den Rückzug an. Was bei Löwen heisst, ihnen NIEMALS den Rücken zukehren und laaangsam rückwärts die Szenerie verlassen – was gar nicht so einfach ist!


Dieser wunderschön – frischen Leopardenspur wären wir gerne gefolgt. Doch das Dickicht war undurchdringlich und von Leoparden weiss man, dass wenn sie in ihrem Versteck entdeckt werden, sie unmittelbar und blitzschnell angreifen. Geht man aber an ihnen vorbei, ohne dass man sie anschaut, lassen sie einem in der Regel ungestört des Weges ziehen. Doch darauf wollten wir lieber nicht wetten.



Diese zwei unterschiedlich grossen Breitmaulnashorn Dunghaufen zeigten die Präsenz von Mutter und Kalb an. Die Spuren der beiden - die der Mutter geradeaus, die des Kleinen kreuz und quer und vorwärts rückwärts - führten in ein unübersichtliches, felsiges Terrain. Wir umgingen dieses in einem grosszügigen Bogen. Es kostete einige Ausdauer und Zeit, bis wir die Spuren auf der anderen Seite wieder aufnehmen konnten; zumal wir ja nicht wussten, ob die beiden überhaupt weitergezogen waren. Immer wieder prüften wir ob wir auf der ‘richtigen’ Windseite standen, nämlich so, dass er nicht von uns aus in Richtung Nashörner wehte. Die Sonne stieg und stieg und damit auch die Hitze. Deshalb durften wir damit rechnen, dass die Mutter mit ihrem Kleinen nicht mehr weiterziehen und sich an einem schattigen Platz ausruhen würde. Und tatsächlich: Bald darauf entdeckten wir sie und zu unserer Überraschung hatte sich auch noch der Vater dazu gesellt. Auch dieses spezielle Sighting verliessen wir nach geraumer Zeit unentdeckt.

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