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Zurück in die Wildnis?

Januar 28, 2024

Die Gründe, weshalb Tiere in ein Rehabilitationscenter eingeliefert werden, sind vielfältig.

Da gibt es die Opfer der Wilderei, vielfach Baby Elefanten, Baby Nashörner oder Baby Pangoline, deren Mütter von Wilderern getötet wurden. Da gibt es Löwen, die in einem Zoo oder Zirkus gehalten wurden und von den Folgen der Gefangenschaft traumatisiert sind. Es gibt Kleintiere wie Mangusten oder Ginsterkatzen, welche als Haustiere mit Jöö-Effekt oder als Mäuse- Ratten- und Schlangenwächter gehalten wurden. Stellt es sich dann heraus, dass die Tiere nicht domestizierbar sind, Möbel beschädigen oder Menschen beissen, ja, dann werden sie halt wieder ausgesetzt, obwohl dies für die in sozialen Strukturen lebenden Tiere in der Regel das Todesurteil bedeutet.

Viele verletzte Tiere resultieren aus der Zivilisation, sind beispielsweise Verkehrsopfer, haben Unfälle mit Landwirtschaftsmaschinen, werden nicht artgerecht gehalten oder sind gar Leidtragende von bösartiger Quälerei. Raubvögel, Fledermäuse, Schakale, Antilopen, ... , die Liste pflegebedürftiger Tiere ist vielfältig und lang. Und manchmal stossen die Helfer auch an eine Entscheidungsgrenze. Soll man Tiere, welche in ihrer natürlichen Umgebung verletzt wurden, in die Klinik aufnehmen oder sie ihrem Schicksal im Busch überlassen? Ein Urteil, welches oft nicht eindeutig zu fällen ist.

Die Profis, die ich in Rehab Centers kennen lernen durfte, leisten eine immense Arbeit. Da reicht es nicht einfach, ‘Tiere gern zu haben’. Man braucht nebst grossen Fachkenntnissen, Kreativität und Durchhaltevermögen auch eine enorme Hingabe zur Sache. Je nach Art oder Alter der Tiere muss in kürzesten Abständen gefüttert, Verletzungen behandelt, Käfige und Equipment gereinigt werden. Und dies Tag und Nacht! Folglich gehören Energiedrinks und kannenweise Kaffee zu den stetigen Begleitern einer Pflegerin oder eines Pflegers. Nebst den körperlichen Strapazen sind auch die emotionalen Herausforderungen nicht zu unterschätzen. Es gilt nämlich das Tier so ‘mütterlich’ wie möglich zu betreuen, doch bitte keine emotionale Abhängigkeit zu generieren, da die Tiere ja wieder in die Wildnis entlassen werden sollen, wo sie sich ohne menschliche Hilfe zurechtfinden müssen. Wahrlich ein Kraftakt in vielerlei Hinsicht.

Leigh Geyer und Sheldon Schollij, die beiden Verantwortlichen für das Rescue Camp und die Volunteer Academy in Thula Thula KZN (November 23)

Diese Gruppe von Zebra-Mangusten (Mungos mungo) setzt sich aus einzelnen Tieren aus unterschiedlichster Herkunft und Schicksalen zusammen: manche wurden als Streicheltier gehalten, von Autos erfasst, von Hunden gebissen, auf dem Estrich gefunden, usw. Zebra-Mangusten sind keine Einzeltiere. Sie leben in komplexen sozialen Gebilden. Es ist Leigh und Sheldon gelungen, ihren individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden und diesen Individuen gleichzeitig zu ermöglichen, eine neue Gruppe mit ihren eigenen Gesetzen und Hierarchien zu formieren.


Die Zebra-Mangusten werden mittels eines sogenannten soften Releases wieder in die Wildnis entlassen. Das heisst, sie werden schrittweise in immer grössere Käfige umplatziert, bis sie sich in Halbfreiheit bewähren können. Dann steht einer Entlassung in die Wildnis nichts mehr im Wege. Eine Zeitlang muss die Gruppe noch beobachtet werden, da sich in diesem Fall eines am Bein verletzt hat und eventuell vom Veterinär behandelt werden muss. Es heilte jedoch von selbst und so konnte von einer erneuten Gefangenschaft abgesehen werden.

Dumm war nur, dass sich die Gruppe ausgerechnet die Lodge als neues Habitat aussuchte. Die Tiere wussten ja jetzt, dass sie von Menschen nichts zu befürchten haben. Die Touristen freut es. Die niedlichen Tiere möchte man doch so gerne streicheln. Und ein paar Bissen vom Frühstücks Buffett können ihnen doch auch nicht schaden, oder?! Ein Teufelskreis, der nicht nur Leigh und Sheldon zu schaffen macht und praxisnah schmerzlich die Risiken einer Rehabilitierung aufzeigt.



Auch Estie Allan vom Rehabilitationscenter in Durban, ist eine passionierte Tierpflegerin. Ihr gelang es, mit unendlicher Hingabe eine ca. 4tägige alte Sumpfmanguste (Atilax paludinosus) so zu rehabilitieren, dass sie im Alter von 8 Monaten in die Freiheit entlassen werden konnte. Das Kleine wurde verlassen von seiner Mutter auf einem Golfplatz gefunden. Sumpfmangusten sind Einzeltiere, die sich, wie es der Name sagt, immer in der Nähe von Feuchtgebieten aufhalten. Sie ernähren sich vor allem von Krabben und Amphibien. Nach der erfolgreichen Pflege wurde dieses Tier unmittelbar an einem Bachufer ausgesetzt (hard release) und es verschwand nach einigem Zögern in der Uferböschung.



Herzerweichend ist auch das Schicksal dieses Streifenschakals (Canis adustus). Das recht seltene Tier wurde Opfer eines Zuckerfeld-Feuers und wurde deshalb in die Klinik gebracht. Leigh und Sheldon tauften es dann auch auf den Namen Umlilo, was in der Zulusprache ‘Feuer’ bedeutet. Dank der umsichtigen Pflege der beiden erholte sich Umlilo wieder so weit, dass auch er in die Wildnis entlassen werden konnte. Nur, in der ganzen näheren und grösseren Umgebung gab es keinen einzigen zweiten Streifenschakal mit dem Umlilo eine Paarbeziehung hätte eingehen können. Schakale sind monogam und deshalb konnte man auch nicht beliebig einen anderen ‘importieren’. Die Gefahr hätte bestanden, dass man damit eine schon bestehende Partnerschaft zerstört hätte. Umlilo fand sich zwar in der Wildnis bestens alleine zurecht. Nur trieb seine Einsamkeit ihn regelmässig zurück ins Rehab Center. Dort bettelte er geradezu um Streicheleinheiten, die ihm ‘kein Mensch’ geben durfte. Es hat uns fast das Herz gebrochen, von Leighs emotionaler Zerrissenheit ganz zu schweigen.


Auch zwei Ginsterkätzchen (Genetta genetta) gehörten in die Obhut von Leigh Geyer. Es gelang ihr während meiner Anwesenheit im Camp die Tiere von 120 Gramm Gewicht auf 380 Gramm aufzupäppeln. Sorgfältig achtete sie auch hier darauf, dass die Babys Mensch und Fressen nicht miteinander kombinieren und bedeckte ihnen deshalb beim Füttern immer die Augen.


Leider schafften es dieses aus dem Nest gefallene Webervögelchen sowie die kleine Fledermaus nicht. Trotz intensivster Pflege verstarben sie nach ein paar Tagen.


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