Die grossen unter den kleinen.
Für die meisten Buschbesucher:Innen ist die Sichtung der sogenannten Big Five der Höhepunkt ihrer Safari. Das ist durchaus nachvollziehbar. Auch nach der x-ten Begegnung mit einem dieser herrlichen Geschöpfe wird man nicht müde, sie in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten. Die Bezeichnung Big Five wurde Elefant, Löwe, Leopard, Nashorn und Büffel dafür gegeben, dass sie zu den am Schwierigsten zu jagenden Tierarten gehören. Wobei der Kap Büffel das interne Ranking in Sachen Gefährlichkeit anführt. Unter den Safari-Guides gilt denn auch das ungeschriebene Gesetz, den Gästen so rasch wie möglich die Big Five zu präsentieren, damit sie dann anschliessend mit dem guiden anfangen können.
Doch der Busch besteht aus so viel mehr als diesen fünf grossen Highlights. Da wären beispielsweise die Little Five, welche nebst dem ähnlichen Namen nicht viel mehr mit ihren Namensvettern gemeinsam haben, jedoch in Sachen Faszination durchaus mithalten können.
Elefant Shrew oder Rüsselspringer elefanti intufi
Der Name dieses kleinen, flinken Kerls ist augenfällig. Sein 'Rüsselchen' setzt er denn auch gekonnt zum Fangen seiner Nahrung ein, die da besteht aus Spinnen, Ameisen, Tausendfüsslern und Würmern. Er ist ungemein flink und gehört zu den schnellsten der kleinen Säugetiere. Gut und gerne kann er einen Sprint von 29/h Km hinlegen. Man sieht ihn sehr selten. Doch ich hatte einmal das Glück, einen beim Picknicken auf einer Felsenkuppe beobachten zu können. Er bewegte sich so flink, dass das Auge kaum mithalten konnte, von Fotos machen ganz zu schweigen. Deshalb ist das Bild einem Bericht von ‘Animals Network Team’ entnommen.
Im Zuge der neuen wissenschaftlichen Möglichkeiten der Genanalyse nennt man ihn jetzt nicht mehr Shrew sondern Sengis und er wurde neu der Gattung Afrotheria zugeordnet. Obwohl er einer Spitzmaus ähnelt, gehört er nicht zu deren Familie, sondern ist vielmehr verwandt mit den Aardvarks Orycteropus afer und den Golden moles genus amblysomus.
Interessant ist auch, dass die weiblichen Sengis einen mit dem Menschen vergleichbaren Menstruationszyklus haben. Sie sind eine der wenigen Nicht-Primaten, bei denen man dies nachweisen konnte. Deshalb wurde in der 40er Jahren der weibliche Zyklus an ihnen studiert.
Antlion oder Ameisenlöwe familie neuroptera
Wo man im Busch geht und steht, überall trifft man auf die zylindrischen, ca. 2.5cm kleinen Trichter im sandigen Boden. Darin wohnt die Larve des räuberischen Ameisenlöwen, die darauf wartet, dass sich eine Ameise in den Trichter verirrt und nicht mehr herauskraxeln kann. Blitzschnell ist sie dann zur Stelle und bewirft sein Opfer mit Sand. Anschliessend packt sie es mit ihren zangenähnlichen Scheren, die wie Nadeln funktionieren und saugt es aus.
Ameisenlöwen-Larven haben keinen Anus. Ihr Gedärm endet in einer Sackgasse. Dementsprechend können sie sich auch nicht entleeren. Nach der Verpuppung zur Ameisenjungfer entledigen sie sich ein einziges Mal dem angestauten Kot in Form eines Pellets. Im verpuppten Zustand wird sie nie mehr koten, da die ausgewachsene Form nicht mehr frisst. Die geschlüpfte Ameisenjungfer, die einer Libelle ähnelt, hat eine imponierende Flügelspannweite von ca. 16cm.
Leopard Tortoise oder Pantherschildkröte geochelone pardalis
Auch bei der Pantherschildkröte besteht eine Ähnlichkeit zu ihrem Big Five Namenspendant, nämlich im Muster der Fell- bzw. Panzer-Rosetten.
Pantherschildkröten begegnet man im Busch in allen Grössen, meistens alleine. Ihr Abwehrmechanismus, sich bei Gefahr ganz unter dem Panzer zu verstecken, ist auch hier meist ein erfolgreiches Konzept. Trotzdem begegnet man immer wieder leeren Panzern. Von Hyänen über Leoparden bis zum Menschen, der das Fleisch als Delikatesse schätzt, reicht das Feld ihrer Verfolger. Die Jungen sind zusätzlich von Waranen und Hornraben gefährdet.
Das Geschlecht der Schildkröten wird je nach Temperatur des Sandes oder der umgebenden Vegetation in denen die Eier ausreifen, bestimmt. Zwischen 26 und 30 Grad C entwickeln sich Männchen, ab 31 bis 34 Grad C Weibchen. Bei den Krokodilen ist es übrigens umgekehrt.
Um die hohen Temperaturen und den damit verbundenen Wassermangel auszugleichen, verfügt die Schildkröte über einen sogenannten bursa sac. Darin lagert sie Flüssigkeit. Hebt man nun eine Schildkröte auf, besteht ihr Abwehrmechanismus darin, diese Flüssigkeit auszuscheiden. Dies ist jedoch fatal für das Tier und kann bei anhaltender Trockenheit zu dessen Tod führen.
Schildkröten sind bekannt für ihr hohes Alter. Auch im Busch können sie bis 75 Jahre alt werden. Sie wachsen aber langsam und erreichen die Fortpflanzungsfähigkeit erst gegen 15 Jahren. Eine 7jährige Schildkröte wiegt etwa 1kg. Anschliessend nimmt sie unter guten Umständen jedoch schneller an Gewicht zu.
Rhino Beetle oder Nashornkäfer oryctes nasicornis
Diese Käfer gehören wie die meisten Käferarten in die Familie der Skarabäus, die aus über 1500 Arten besteht. 225 Gattungen der Nashornkäfer sind bis jetzt bekannt. Das Männchen verfügt über das typische Horn, welches ihm den Namen verpasst hat. Es setzt es zum Kämpfen und zur Nahrungssuche ein. Das Weibchen hat an Stelle des Horns nur eine kleinere Erhöhung.
Proportional gesehen ist der Nashornkäfer das stärkste Tier unseres Planeten. Er kann sein eigenes Gewicht bis zu 850mal stemmen. Das wäre etwa gleich, wie wenn ein Mensch von durchschnittlicher Körpergrösse 65 Tonnen heben würde. Als Vergleich ist der Elefant ‘nur’ dazu fähig, ein Viertel seines Gewichts zu heben.
Die Käfer Afrikas, wie auch diejenigen auf der ganzen Welt, spielen eine enorm wichtige Rolle in der Dekompostierung von organischen Abfällen. Man mag es sich nicht vorstellen, wie es im Busch und auch sonst überall aussehen würde, wenn die Käfer streiken würden. All die Tonnen von Elefanten- Nashorn- und Giraffenmist, um nur einige davon zu nennen. Der würde ohne die Arbeit der Käfer einfach liegen bleiben.
Red billed Buffalo Weaver oder Büffelweber bubalornis niger
Weshalb der Büffelweber die Bezeichnung ‘Büffel’ in seinem Namen trägt, ja das habe ich leider bis jetzt noch nicht herausgefunden. Und selbst meine hochgeschätzten, allwissenden Instruktoren konnten es mir (noch) nicht erklären.
Der Büffelweber ist mit 23cm der grösste der Webervögel. Auch seine Nestbauten sind mit einer Grösse von ca. 3 x 4.50m beeindruckend. Man sieht sie auf Akazien, Baobabs oder auch auf Telefonmasten. Um das Nest herum ist stets ein emsiges, lautes Treiben. Es ist ein Vergnügen, ihnen bei ihren Interaktionen zuzuschauen.
Zwar sind dies nicht die grössten Webervögelnester, welche man in Afrika findet. Der Siedelweber übertrifft diese Bauten bei weitem, doch unübersehbar sind sie allemal. Die Männchen bauen die grossen Nester alleine, für die kleineren Nistkammern macht dann das Weibchen den Finish. Der Eingang der Nistkammern richtet sich nach Nord – Nordost. Dies muss man als Student:In wissen. Denn es ist eine Prüfungsfrage im Zusammenhang mit "sich im Busch orientieren können"!
Nicht selten benutzen grössere Raubvögel wie der Bateleur oder der Weissrückengeier das Dach des Nestes um sein eigenes darauf zu installieren. Es ist dies eine gegenseitige Symbiose. Der Raubvogel profitiert vom soliden Untergrund und vom Sichtschutz. Und die Webervögel können sich darauf verlassen, dass die Mitbewohner ein Auge auf Verfolger wie zum Beispiel Schlangen haben, welche sich gerne die Eier und die Jungvögel holen.
Gerne wohnen sie in der Umgebung von Menschen-Siedlungen. Einerseits bietet dies zusätzlichen Schutz vor Feinden, welche die menschliche Nähe meiden und andererseits dienen die Gärten und Anbaufelder als geschätzte zusätzliche Futterquellen.
Diese Art ist endemisch im südlichen Afrika.








