Immer wieder werde ich gefragt, wie das im Busch so sei mit den Schlangen.
Ob man viele zu sehen bekäme, ob wir immer ein Gegengift dabeihätten oder ob die Einheimischen Schlangen essen würden?
Schlangen sind – wie könnte es anders sein – überaus interessante Lebewesen. Sie lösen bei den meisten Menschen entweder Bewunderung oder Abneigung aus. Man kann kaum mit jemandem über Schlangen reden, ohne dass sie oder er in eine der polarisierenden Richtungen tendiert. Ist man im Busch unterwegs, trifft man natürlich auch auf Schlangen. Sei es, dass man deren Spuren sieht, eine abgestreifte Haut findet oder dem Reptil gleich selber begegnet. Sichtungen, die einem stets aufs Neue faszinieren.
Zahlen zeigen, dass Schlangenbisse in gewissen Ländern durchaus ein Thema sind. Weltweit werden jedes Jahr um die 2,5 Millionen Menschen von Schlangen gebissen. Daran sterben ca. 100'000 und 400'000 Betroffene müssen mit dauerhaften Schäden rechnen. Im südlichen Afrika gibt es jedes Jahr ca. 30'000 Tote, die meisten davon sind auf den Biss der Kap Kobra zurückzuführen. Obwohl diese Zahl verhältnismässig hoch ist, fehlt es weltweit an Gegengiften. Bis 2016 entwickelte die Pharmaindustrie noch Breitband Gegengifte, doch seither ist die Herstellung eingestellt worden. Es rechnet sich einfach nicht und betrifft grösstenteils ärmere Bevölkerungsgruppen auf dem Lande. Und so ist die Forschung und Herstellung von Gegengiften ökonomisch nicht interessant. Doch die WHO nimmt sich nun dem Missstand an und lanciert eine Kampagne zur Wiederaufnahme von Forschungsprojekten.
Und so sind wir denn auch ohne Antivenom im Busch unterwegs. Ein wichtiger Grund dafür ist nicht nur das fehlende Medikament, sondern auch die Tatsache, dass es gekühlt werden müsste, was bei den hohen Temperaturen im Busch unmöglich ist, und dass je nach Schlange, die zubeisst, ein anderes, spezifisches Mittel indiziert wäre.
Je nach Schlangenart kann das Gift nämlich hauptsächlich neurotoxisch (Kobra, Mamba), haemotoxisch (Baumschlange, Peitschenschlange) oder cytotoxisch (alle Ottern) wirken, um nur die 3 Wichtigsten Auswirkungen zu nennen. Neurotoxische Gifte legen die Lungenfunktion und das Nervensystem lahm, haemotoxische Gifte stoppen die Blutgerinnung, cytotoxische zerstören Zellen und Gewebe. Doch je nach Schlangenart gibt es auch Mischformen. Und dementsprechend bräuchte es das richtige dosierte Gegenmittel. Ganz zu schweigen von der Schwierigkeit, die Schlange nach einem Biss zu identifizieren, da es in der Regel blitzschnell geht. Das beste Mittel gegen Schlangenbisse ist deshalb die Prävention, sich so zu verhalten, damit es gar nicht so weit kommen kann und Nr. 1: ein gut funktionierendes Funkgerät, damit unverzügliche Hilfe angefordert werden kann, die einem ins nächste(!) Spital transportiert, wo versucht wird, den Allgemeinzustand zu stabilisieren.
Übrigens setzen die Schlangen ihr Gift nicht nur dazu ein, um ahnungslose Menschen zu beissen. Nein, das Gift unterstützt sie darin, ihre Beute zu verdauen. Denn Schlangen zerbeissen ihr Futter ja bekanntlich nicht und brauchen deshalb ihr eigenes Gift als Verdauungshilfe.
Glücklicherweise kam ich und meine BegleiterInnen trotz mehreren Begegnungen bis jetzt noch nie in eine lebensgefährliche Situation. War es einfach Glück oder traf die Annahme zu, dass da, wo Menschen selten vorzufinden sind, Schlangen weniger aggressiv reagieren?
Und ja, Schlangen werden auch gegessen. Sie gelten in vielen Ländern als Delikatesse. Wichtig ist, zügig die Gallenblase zu entfernen, da die Gallenflüssigkeit sonst das ganze Fleisch verderben kann.
Die folgenden Fotos konnte ich (fast) alle im Snake Park in Swakopmund, Namibia, aufnehmen. Es ist eine kleine Auswahl der häufigsten Schlangenarten im südlichen Afrika, die als ' very dangerous' gelten.
Kap Kobra
Sie gehört zusammen mit der Schwarzen Mamba zu den Schlangen, die die meisten Todesfälle im südlichen Afrika verursachen. Sie ist verhältnismässig klein, 1,2 – 1,5 Meter gross und scheut sich nicht, auch in bewohnte Häuser einzudringen. Dementsprechend häufig kommt es auch zu ernsthaften Verletzungen
Baumschlange (Boomslang)
Wie es ihr Name sagt, verbringt die Baumschlange ihre meiste Zeit auf Bäumen. Sie ist recht gut an ihren grossen schönen Augen erkennbar. Eher selten ist, dass sich weibliche und männliche Schlangen in Sachen Farbe unterscheiden. Bei dieser Art ist das Männchen grün und das Weibchen grau-braun. Ihr Gift wirkt haemotoxisch
Puff Otter
Diese Art ist im Süden Afrikas weitverbreitet. Ihre Länge liegt zwischen 1,5 – 1,8 Metern. Sie ist sehr gut getarnt, eher langsam in ihren Fortbewegungen, dafür blitzschnell beim Zubeissen. Puff Ottern sind in der Morgen- und Abenddämmerung aktiv. Wie alle Ottern gebärt sie lebende Junge, legt also keine Eier. Ihr Gift wirkt cytotoxisch und nicht selten muss ein Körperglied nach einem Biss amputiert werden
Puff Otter Begegnung
Dieses Bild stammt nicht aus dem Museum, sondern aus einer persönlichen Begegnung. Wir sind beim Marschieren durchs hohe Gras buchstäblich auf sie draufgetreten, was normalerweise zu einem blitzartigen Selbstverteidigungsbiss geführt hätte. Doch sie hat sich nur langsam ins Gras zurückgezogen. War es, weil sie uns Menschen als Feind nicht kannte, oder lag unser Instruktor richtig, als er nur lakonisch mit den Schultern zuckte und sagte: this snake is pooing?!
Peitschennatter (Twig or Vine Snake)
Dieses schöne Exemplar ist bei einer stattlichen Länge von ca. 1,8 Metern extrem dünn. Dies als Anpassung an die Äste der Bäume, auf denen sie vornehmlich lebt. Auch wenn man direkt vor dem Terrarium steht, braucht man eine Weile, um sie zu sichten derart gut fügt sie sich ins Geäst ein. Bisse von dieser Art sind bei Menschen sehr selten, doch wenn, sind sie sehr gravierend (haemotoxisch)
Schwarze Mamba
Sie ist zweifellos die Königin der Giftschlangen in Afrika. Ich selber hatte schon einige Begegnungen mit ihr und ich habe keine einzelne davon vergessen. Urplötzlich bäumt sie sich in deiner Nähe auf und bildet mit ihren bis zu 4 Metern ein eindrückliches, lebendiges S in der Luft, bereit zum Beissen vorzuschnellen. Es ging jedes Mal um Sekunden oder wenige Meter. Die Mambas leben in verlassenen Termitenhügel oder hohlen Baumstämmen. Sie leben territorial und sind fest entschlossen , ihr ‘Zuhause’ zu verteidigen, was denn auch die Hauptursache ist für ihren Angriff. Ihr neurotoxisches Gift ist höchst wirksam, und zwar vom Moment an, wo sie aus dem Ei schlüpfen, die Überlebenschancen nach einem Biss dementsprechend gering.
Felsenpython
Dies ist mit bis zu 6 Meter Länge die grösste Schlange Afrikas. Sie gehört zu den Würgeschlangen, ist also nicht giftig. Doch auch sie kann zur Verteidigung schmerzhaft zubeissen. Passend zu ihrer Grösse sind ihre Opfer auch dementsprechend gross. Dies sind zum Beispiel kleinere oder junge Antilopen, Wildschweine, Krokodile, Echsen, usw. Leider war mir bis jetzt noch keine Live-Begegnung vergönnt













